Der Serpentinit-Fels von Waldau
von Berthold Weber, Weiden

Die mittelalterliche Burganlage im kleinen Ort Waldau, ca. 15 km östlich von Weiden steht auf einem steilen Serpentinit- Felsen, einem seltenen ultrabasischen Tiefengestein, wohl dem ältesten Gestein Mitteleuropas.


Die Burg Waldau, auf - und teilweise aus - Serpentinit gebaut

Die wenigen Serpentinit-Vorkommen im Bereich der nördlichen Oberpfalz sind nur vereinzelt zugänglich und auch heute noch sind nicht alle Fragen bezüglich ihrer Entstehung geklärt. Zweifelsohne stellen die Serpentinite mit ihrem Alter von ca.  1,2 Milliarden Jahren eines der ältesten Gesteine überhaupt dar. Die äußerst seltenen Serpentinite entstanden - wie man aufgrund des Hochdruckmineralbestades annehmen muß - in einer Tiefe von ca. 60 km, also nicht in der Erdkruste sondern im Erdmantel. In anderen Kontinenten, wo solche Gesteine ebenfalls vorkommen, werden diese gerne von Edelmetall- und Diamantvorkommen begleitet, bei uns leider nicht. Die primär magmatischen (also nicht aus Ablagerungsgesteinen sondern aus plutonischen Schmelzen entstandenen) Gesteine sind in Millionen von Jahren langsam an die Oberfläche gewandert wobei verschiedene Gebirgsbildungen (Orogenesen) beteiligt waren. Die Druckentlastung hat aus den Hochdruckmineralien nun Niederdruckmineralien entstehen lassen, was von Geologen als "Serpentinisierung" bezeichnet wird. Ausgangsgesteine waren kieselsäurearme, olivinreiche magmatische "Mafite", die dann durch mittelstarke Metamorphose umgewandelt wurden. Dabei haben sich die "Serpentin-Mineralien", hier als Maschen-Serpentinit gebildet. Die Farbe des Gesteins wird durch zweiwertiges Eisen und (vermutlich) durch (nachgewiesene) ca. 0,2-0,3 % Cr2O3, als Spuren in verschiedenen Mineralien eingebaut, gebildet.

Das schwarzgrünblaue Gestein ist als Härtling (weil weniger schnell durch Erosion abgebaut) in Waldau als ca. 10 Meter hoher Fels ausgebildet. Einige weitere Vorkommen, so etwa am Hardt-Hügel bei Floß oder im Bereich Schönsee sind nicht (mehr/gut) zugänglich bzw. nur durch Lesesteine bekannt. Der Waldauer Serpentinit-Fels ist als Naturdenkmal unter Schutz gestellt.
 

Die ansonsten wenige schöne Mode, vielerorts Gesteinsbrocken als "Findlinge" aufzustellen, kann auch ihre Vorteile haben. Der Serpentinit an der Burg ist durch Bebauung und dichten Bewuchs nämlich nur schwer zu besichtigen. Die im Ort aufgestellten Serpentinit-Blöcke (Bild: am Feuerwehrhaus) entschädigen dafür allemal, weil hier das Gestein frisch gebrochen und kaum verwittert ist. 

Über sammelnswerte Mineralisationen im Serpentinit - die für Mineralogen interessant wären - ist von Waldau nichts bekannt, von ähnlichen Vorkommen in der Gegend werden Asbest-Mineralien und (auch von Waldau Bronzit) beschrieben. Angeblich soll der Magnetit-Gehalt des Gesteins die Kompass-Nadel ablenken können. Das Bayerische Landesamt für Umwelt führt den Felsen unter Nr. 374A012  als Geotop.

Literatur:

Links:
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