Der Pleysteiner Sulzberg
von Berthold Weber, Weiden

Am sagenumwobene Sulzberg östlich Hagendorf soll es der Reihe nach ein Salz-, Gold- und Eisenbergwerk gegeben haben. Im dem 755 Meter hohen Gneisberg dürfte Salz mit Sicherheit nicht, Gold möglicherweise und Eisen recht wahrscheinlich vorgekommen sein. Geologisch interessant sind im Hang- und Gipfelbereich die ausgedehnten Biotitgneis-Blockhalden.


Mehr als 200 Höhenmeter über Hagendorf liegt der Sulzberg-Gipfel

Von Pleystein über Miesbrunn kommend erblickt man östlich Hagendorf den imposant auf 755 Meter Höhe aufragenden Pleysteiner Sulzberg (es gibt auch einen Waidhauser Sulzberg). Dieses Geotop liegt ca. 25 km östlich Weiden und 2,5 km nördlich Waidhaus. Der Sulzberg ist komplett bewaldet wobei die Kernzone als Naturwaldreservats deklariert ist und jede holzwirtschaftliche Nutzung unterbleibt.

Ein Blick in die Geologische Karte verrät uns den inneren Aufbau: Es ist hautsächlich Biotit-(Lagen)-Gneis und untergeordnet feinkörniger Granit, die den Berg bilden. Der Gneis enthält tapetenartig bis zu 25% Biotit (dunkler Glimmer), dieser verwittert recht schnell und deswegen kann man dieses Gestein nicht mal als minderwertigen Schotter gebrauchen. So finden wir nirgendwo größere Aufschlüsse oder Steinbrüche in diesem an sich nicht so seltenen Gestein. In der Beschreibung der Geologischen Karte von Vohenstrauß ist der Sulzberg-Gipfel wegen dieses Biotitgneis-Vorkommens als Exkursionsziel empohlen.

Vermutlich ab ca. 1567 wurde auf dem Sulzberg nach Salz gesucht. Treibende Kraft soll Kurfürst Friedrich gewesen sein, der allerdings erst 1581 seine Herrschaft über das Pflegamt antrat. Allen Berichten folgend wurde kein Salz gefunden, jedoch sei Wasser über Nacht in einem "Heferl" gestanden (versulzt). Die Bergleute stießen angeblich auf eine Goldader, worauf bis 1586 geschürft wurde. Der Bergbau wurde eingestellt weil die Kosten höher als die Erträge waren. Die heutigen Bezeichnungen Salzbrunnen, Goldbrunnen und Berghaus gehen nachweislich auf diese Bergbautätigkeit zurück. In den hochmetamorphen Gneisen ist ein Salzvorkommen unmöglich. Geringfügige Goldanreicherungen -möglicherweise an Pyrit gebunden- kennt man aus der weiteren Umgebung (Eslarn, Neualbenreuth). Von einer "Goldader" zu sprechen wäre allerdings gewaltig übertrieben, denn Gold könnte bestenfalls feinst verteilt im Gestein erscheinen. Dass auch diese Vermutung eher unwahrscheinlich ist kann man aus dem Umstand folgern, dass hier kein Berbbau auf sekundäre Seifenlagerstätten stattfand. Solche wären mit großer Wahrscheinlichkeit (selbst in den kleinen Bächen in der näheren Umgebung) aufgetreten und mit Sicherheit aufgefunden, erwähnt und ausgebeutet worden.

Eisenerze treten oberflächennah vielerorts in Gneisgebieten auf. Diese Fundpunkte sind aber wirklich nur oberflächlich interessant und in der Tiefe bleiben die Erze aus. Derartige Vorkommen von Raseneisenerz sind eine (häufig rezente) Erscheinung, wobei sich Eisen durch Redoxvorgänge im Zusammenspiel mit Grundwasserhorizonten in Bodensedimenten anreichert. So dürfte es auch hier gewesen sein. Die in den alten Akten von 1627 erwähnten Versuche (6 oder 8 Klafter tiefer Schacht) waren jedenfalls nicht sonderlich erfolgreich. Der verwitterte Gneis ist -etwa beim Alten Schloß- durchaus eisenhaltig und teilweise rostbraun gefärbt.

Das Naturwaldreservat Schloßhänge (SHÄ) wurde 1992 zum Schutz des ursprünglichen Buchenwalds mit Edellaubhölzern ausgewiesen. Es umfasst kanpp 40 Hektar. Das FFH-Gebiet "Blockschuttwälder am Pleysteiner Sulzberg" (6340-310) ist mit 109 Hektar sogar noch größer angelegt. In dem Gneis-Blockmeer war in den vergangenen Jahrhunderten eine regelrechte Waldwirtschaft sehr beschwerlich und kaum möglich. So hat sich eine unverfälschte ursprüngliche Bestockung mit Buchen-Mischwald erhalten. Durch die neuzeitliche Schutzstellung und den Verzicht auf die Bewirtschaftung erwartet man neue Erkenntnisse über das Öko-System Wald und die früheren Urwälder im Oberpfälzer Wald. Eine Wanderung durch das urwaldähnliche Waldreservat vermittelt faszinierende Einblicke.
Flurbezeichnungen, Überlieferungen und zahlreiche Sagen lassen auf eine Burganlage in früherster Zeit auf dem Sulzberg schließen. Leider ist über den Bau, die Besitzer und den Niedergang nichts beurkundet. Es dürfte sich um eine einfache Wehranlage mit Graben, steinerner Grundmauer und Holz-Palisaden, einen sog. Burgstall gehandelt haben. Das "Alte Schloß" hat sich auf einem Nebengipfel auf 720 Meter Höhe einige hundert Meter südlich vom Hauptgipfel des Sulzbergs befunden.

Mineralogisch zeigt sich der Sulzberg spartanisch. Hin und wieder findet man wenig schwarzen oder dunkelbraunen Turmalin (Schörl-Dravit), ansonsten fällt makroskopisch nichts auf.


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