Der Leo-Maduschka-Felsen im Zottbachtal

von Berthold Weber, Weiden

Einige km nördlich von Pleystein findet sich mit dem Leo-Maduschka Felsen eine imposante, für ein Gneis-Gebiet ausgesprochen selten schroff und steil aufragende Felsgruppe dicht an der Straße im romatischen Zottbachtal.


Während die Gneisgebiete im Oberpfälzer Wald allgemein von sanften Hügelketten gekennzeichnet sind, gelegentlich von weich eingeschnittenen Flußtälern oder eingelagerten, oft aus Granit bestehenden und der Verwitterung besser standhaltenden Gesteinsbildungen unterbrochen, so nimmt das Zottbachtal mit seinem bemerkenswerten Leo Maduschka Felsen hier eine Sonderstellung ein. Morphologisch ist der Leo-Maduschka-Felsen wörtlich "herausragend". Die wohl 15 Meter hohe Felsgruppe liegt dicht östlich an der Straße zwischen der Hagenmühle und der Prollermühle im Wald.

Der glimmerschieferähnliche Felsen besteht, oberflächlich betrachtet, aus Biotit-Lagen-Gneis, mitunter eingelagert sind kleinere und größere Quarzknauern. Genaugenommen handelt es sich um einen moldanubischen Diaphthorit (retrograd metamorph), wobei nach A. FORSTER das Zottbachtal das bestaufgeschlossene Gebiet für diesen Gneis-Typ darstellt.
 

Mehr als 1/3 des Gesteins besteht aus Glimmer, wobei der dunkle Biotit überwiegt. Der Rest (Quarz: 19%, Plagioklas: 21%, Cordierit: 6 %, Sillimanit: 7% usw.) trägt weit weniger zum Erscheinungsbild bei. 
Das Gestein, ursprünglich ja ein Sediment (aus Tonen und Sanden), ist metamorph, also in geologischen Zeiträumen durch hohen Druck und hohe Temperatur in größerer Tiefe stofflich und strukturell verändert, und - hier schön sichtbar - stark gefaltet "knittergefaltet". 

Vom geologischen Rahmen her gesehen gehört das Zottbachtal zum Moldanubikum, einer großen Landmasse, die in Kollision zweier Kontinantalschollen hier vor vielen Jahr-Millionen ein - mit dem Himalaya vergleichbares - großes Gebirge aufgetürmt hat. Von diesem Gebirge sind (nach Abtragung durch die exogenen Kräfte) nur die sanften Hügel geblieben, die enormen stauchenden und faltenden Kräfte kann man jedoch kleinformatig hier noch heute im Gestein studieren. Die Faltenachse dieser Gneismasse weicht übrigens von der - für das Moldanubikum hier bevorzugten - deutlich ab. Sie ist hier mit wenigen Graden nach Nord einfallend N-S gerichtet. Als Grund vermutet man eine jüngere Überprägung. Übrigens bildet genau diese Gneisart das Nebengestein, in dem die für Mineraliensammler ja so interessanten Kalk-Silikatgänge (z.B. bei Pleystein-Gsteinach und gegenüber dem Zottbachhaus) mit ihren schönen Kristallbildungen auftreten.



Im Sommer 2010 wurde die Felsgruppe durch Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Flossenbürg fachmännisch freigelegt. Zahlreiche Laub- und Nadelbäume sowie sonstige Gehölze, die auch eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer an der vielbefahrenen Straße von Pleystein nach Neuenhammer darstellten, wurden unter teils schwierigen Arbeitsbedingungen abgesägt und abtransportiert. Durch diese Arbeiten hat das Geotop deutlich an Attraktivität gewonnen.

Kopfgroße Quarzknauern im Gneis vom Leo Maduschka Fels.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt führt den Leo-Maduschka-Felsen unter Nummer 374A017 als schutzwürdigs Geotop.
 


Man hat diesen Felsen nach dem am 30. Juli 1875 in der nahen Hagenmühle geborenen Kaufmann, Bürgermeister und Organist Leo Maduschka benannt. Leo Maduschka war von 1921 bis 1933 und nochmals nach dem Krieg bis Oktober 1946 Bürgermeister von Pleystein. Schon 1931 wurde er Pleysteiner Ehrenbürger. Leo Maduschka verstarb im Alter von 90 Jahren am 15. Dezember 1965. Der berühmte namensgleiche Bergsteiger, Schriftsteller und Wissenschaftler Leo Maduschka (26.8.1908-4.9.1932) war Neffe des Bürgermeisters Leo Maduschka und unternahm als Kind hier in den Ferien erste Kletterversuche. (Freundliche Mitteilung von Frau Helga Zimmerle, Enkelin des Bürgermeisters Leo Maduschka)

Der Leo-Maduschka-Felsen hat einen Namensvetter im
Leinleitertal bei Veilbronn, die für Klettereien beliebte Leo Maduschka Gedenkwand.

Literatur:

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