Der Phosphatpegmatit von Hagendorf-Nord
von Berthold Weber, Weiden

Der weitgehend abgebaute Pegmatitstock am Ortsrand von Hagendorf enthielt wie das Schwestervorkommen Hagendorf-Süd und der Restpegmatit von Pleystein viele seltene Phosphatmineralien und zeigt Riesen-Wachstum von Quarz- und Feldspatkristallen aus der granitischen Restschmelze.


Der 22 Meter tiefe Tagebautrichter ist ca. 10 Meter ab Grund mit Wasser gefüllt.

Neben dem größten Pegmatitstock Mitteleuropas, dem Pegmatit von Hagendorf-Süd (Widenauer-Grube, Cornelia-Schacht), stellt auch der Pegmatit von Hagendorf-Nord ("Meixner-Grube") eine überaus bemerkenswerte geologische Bildung mit seltener Mineralfracht dar. Die Reste der Grube befinden sich dicht nördlich an der Straße von Miesbrunn her kommend am Ortsrand der kleinen Ortschaft Hagendorf, ca. 25 km östlich Weiden. Der ehemalige Abbau ist nur sehr gefahrvoll und beschwerlich zu betreten (12 Meter hohe, teilweise sogar überhängende Steilwand), zeigt aber noch größere Pegmatit-Partien.

In den Gneisen, seltener im Granit selbst, liegen im nördlichen Oberpfälzer Wald viele kleinere und auch größere Pegmatitgänge und Pegmatitstöcke eingestreut. Auf etwa 40 dieser Vorkommen ging Bergbau um. Hauptmineralien der Pegmatite sind Quarz, Feldspat und Glimmer, also die gleichen Bestandteile, aus denen sich der Granit zusammensetzt. Deutlich unterschiedlich ist das Gefüge, denn die genannten Mineralien bilden in den Pegmatiten große bis riesengroße (teilweise im Meterbereich) dicht verwachsene Kristall-Individuen, während im Granit die Bildungsbedingungen nur Kristallkörner bis in den cm-Bereich ermöglicht haben. Deswegen erlauben Pegmatit-Lagerstätten die Trennung und damit die Hereingewinnung von relativ reinem Feldspat und Quarz, beide Mineralien waren etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts für die Prozellan- und Glasindustrie gesuchte und wertvolle Rohstoffe.
 

KRISTL beschreibt noch 1961 aus dem Eingangsbereich zum (heute verschüttenen) Untertage-Stollen Sproßquarzkristalle, also große, oft durch Glimmer-Einlagerungen herauslösbare wohlgeformte Quarz-Kristalle. Dieses sind zwar unscheinbar grau gefärbt, zeigen aber recht schön die Kristallform mit der 6-seitigen Pyramide. Ähnliche Sproßquarze fanden sich auch im Pegmatit von Hagendorf-Süd und zwei große Exemplare von Hagendorf-Süd sind in der Parkanlage unterhalb des Kreuzbergs in Pleystein zu bestaunen. Das Foto links zeigt in der Mitte einen Sprossquarz (etwa 10 cm Durchmesser) in der Grube Hagendorf-Nord.

Da sich die Pegmatite aus besonders mineralstoffreichen granitischen Restschmelzen gebildet haben finden wir hier seltene Mineralbildungen. Im Fall der Meixner-Grube, ebenso auch in dem Pegmatit von Hagendorf-Süd und dem Restpegmatit von Pleystein (Kreuzberg) wurden verstärkt Eisen- und Mangan-haltige Phosphatmineralien (die sog. Primärphosphate) gebildet. Vagabundierende Wässer im Gesteinskörper haben diese Mineralien später teilweise gelöst und es kam in Hohlräumen und auf Spalten im Gestein zur Neubildung von niedrig temperiert kristalisierten Sekundärphospatmineralien. Diese hatten und haben zwar im Pegmatit von Hagendorf-Nord nur wissenschaftliche Bedeutung, lenkten aber sei je her die Aufmerksamkeit von Forschern und Mineraliensammlern auf diese Vorkommen. Verglichen mit dem weltweit wohl mit am besten untersuchten Pegmatit von Hagendorf-Süd ist über das Nord-Vorkommen weit weniger bekannt, oft werden die Mineralisationen der Vorkommen Süd und Nord kurzerhand gleichgesetzt. Relativ sicher aus der Meixnergrube kommen jene ca. 50 Mineralarten, die in der zeitgenössischen Literatur genannt sind. Das sind nur rund 1/3 der von Hagendorf-Süd bestimmten Spezies. Als weitgehend gesichtert gilt, dass der weltweit erste Fund des Minerals Phosphophyllit eben von Hagendorf-Nord kommt (LAUBMANN und STEINMETZ, 1920), womit die Meixner-Grube die Typlokalität für Phosphophyllit darstellt.

Die Grube Hagendorf-Süd zeigte in den oberen Bereichen weit weniger Phosphatmineralien als vergleichsweise das Nord-Vorkommen. MÜLLBAUER (1925) spricht für die Wildenauer-Grube (also Süd) von einer "Armut an akzessorischen Mineralien" und "Reichtum daran" im Hauptbruch (also Nord). Dass der Ruhm einer "Weltfundstelle" nun dem größeren Süd-Vorkommen zuteil wurde lag an den Mineralfunden im Südvorkommen ab ca. 1937 (und in der Tiefe unterhalb ca. 54 Meter) und an den vielfach verbesserten Untersuchungsmethoden sowie dem größeren Interesse an diesen Mineralien in der jüngeren Zeit.
 

Das Bild links zeigt 1-2 mm lange strohgelbe Strunzitkristalle auf schwarzem Rockbridgeit (aus Hagendorf-Nord), beides seltene sekundäre Phosphatmineralien. Strunzit wurde übrigens weltweit erstmals 1957 (also 20 Jahre nach der Stillegung von Hagendorf-Nord in Hagendorf-Süd) gefunden, als neue Mineralart bestimmt und nach Prof. Dr. Hugo Strunz - einem gebürtigen Weidener - benannt. 
Quelle: Sammlung und Foto: B. Weber

Aufgefunden und erschlossen wurde der Pegmatit von Hagendorf-Nord im Jahre 1860. Bis zur Stillegung Mitte1937 wurden (nach SCHMIDT 1955) ca. 220000 Tonnen Feldspat gefördert, also ca. 1/4 der Menge, die die Grube Hagendorf-Süd erbrachte. Bis etwa 1900 erfolgte der Abbau nur im Tagebau, 1907 wird von einem 11-Meter "Stollen" berichtet, 1911 waren 17 Meter und 1917 reichte der Förderschacht auf 22 Meter herab. Mit dem in den 20-er Jahren abgetäuften "Johannes-Schacht" (Hauptschacht, auf 45 Meter Teufe am Südrand des Vorkommens) erreichte man in den Wurzeln des Pegmatitstocks den Quarzkörper.
 
 


Bildquelle: STRUNZ (1952), "Mineralien und Lagerstätten in Ostbayern"
Die Abbildung links zeigt einen S-N-Querschnitt durch die Lagerstätte, wobei der nördliche Bereich nur eine Vermutung darstellt. Insgesamt waren fünf Schächte (davon ein Blindschacht) vorhanden, von 11 m, 17 m, 22 m, 28 m und 44 m Sohlen wird berichtet. Der Abbau hatte einen Durchmesser von ca. 80 Metern.

MÜLLBAUER schildert 1925 die Situation wie folgt: "In langjährigem Tagebau wurde hier eine echte, wie man dort zu sagen pflegt, 'Feldspatgrube' geschaffen, die etwa 10 m tief trichterförmig nach unten zuläuft. Vom Grunde der Grube aus wurden eine Anzahl Stollen vorgetrieben und von diesen wiederum Schächte abgezweigt um den Feldspat gleichzeitig an möglichst vielen Stellen abbauen zu können. Das geförderte Material, überwiegend Feldspat, wenig Quarz und die mineralogisch wichtigen Akzessorien des Pegmatits werden an Ort und Stelle sortiert und der Feldspat mittels einer Seilbahn nach der in der Nähe gelegenen Spatmühle befördert." Nach dem II. Weltkrieg, in den Jahren 1948/49 wurden das Vorkommen nochmals (mit einem Stollen von Süden her) aufgefahren, ein Abbau kam aber nicht mehr zustande.

Das Bayerische Geologische Landesamt führt den nicht mehr zugänglichen Pegmatit von Hagendorf-Süd (geflutet, Vogelschutzbiotop) unter Geotop-Nr. 374A034, das Geotop Hagendorf-Nord ist derzeit nicht verzeichnet.

Literatur:


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